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Thermalbäder: Wie, Wo und Was?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Thermen und Thermalbädern

Wellness-Urlaub für einen Tag – das versprechen die vielen Thermen und Thermalbäder. Nicht nur in Deutschland erfreuen sich die Bäder einer immer größeren Beliebtheit und die Besucher nutzen die vielfältigen Angebote der Thermen für eine Pause vom Alltag. Denn die Thermen bieten dank Palmen, Strandbar und Wellenbad das perfekte Urlaubsfeeling, ohne dass man tatsächlich verreisen muss.

Aber wie sieht es mit dem gesundheitlichen Aspekt der Thermen aus? Wie wirkt Thermalwasser, wo kommt die Tradition der Thermen her und wie viel muss man für einen Aufenthalt im Thermalbad bezahlen? Wir klären für Sie die wichtigsten Fragen rund um das Thema Therme.

Eine Heilwasserzapfstelle in der Toskana
Heilwasserzapfstelle in der Toskana, © Thilo Reiter / pixelio.de

Was ist Thermalwasser?

Der Deutsche Heilbäderverband definiert Thermalquellen als Quellen, aus denen Wasser mit einer Temperatur von mindestens 20 Grad austritt. Die erhöhte Temperatur des Wassers entsteht entweder durch unterirdische vulkanische Aktivität oder durch das Zirkulieren des Wassers in tiefere – und damit heißere – Schichten der Erde. Die heißeste Quelle in Mitteleuropa befindet sich in Bad Blumau, hier kommt man durch Tiefbohrungen an 107°C heißes Wasser. Die heißeste natürliche Quelle ist in Aachen, hier hat das Wasser eine Temperatur von 74°C.

Als Thermalsäuerling wird kohlensäurehaltiges Thermalwasser bezeichnet, wenn mindestens 1 g frei gelöstes Kohlenstoffdioxid pro Liter enthalten ist. Als Sole gilt Wasser, wenn in einem Liter mindestens 5,5 Gramm Natrium und 8,5 g Chloridione enthalten sind.

Wie wirkt Thermalwasser?

Da Thermalwasser reich an gelösten Mineralien ist, wird Thermalwasser schon seit Jahrtausenden zu Therapiezwecken genutzt. Das warme Wasser wirkt anregend auf den Kreislauf, die Muskeln werden entspannt und chronische Gelenkerkrankungen können gelindert werden.

Wo finden sich Thermalquellen?

Thermalquellen befinden sich überwiegend in Gebieten mit hoher vulkanischer Aktivität oder in Regionen mit in der Tiefe liegenden Störungssystemen, wie dies beispielsweise in Aachen und in Baden-Baden der Fall ist. Die Region mit der höchsten Konzentration an heißen Quellen an Land liegt im Yellowstone Nationalpark in den USA.

Baden im Thermalwasser
Baden im Thermalbecken, © Tom Eberle / pixelio.de

Welches sind die größten Thermalkurorte?

Der größte Thermalkurort der Welt ist die Stadt Budapest in Ungarn. Hier gibt es über 120 verschiedene Thermalquellen, deren Wasser in mehr als 21 öffentlichen Thermalbädern genutzt wird. Bereits die alten Römer errichteten auf dem Gebiet des heutigen Budapest 14 Thermen. Bekannt ist vor allem das Széchenyi-Bad, das von den tiefsten und heißesten Thermalquellen in Budapest gespeist wird.

In Deutschland ist das Rottaler Bäderdreieck in Niederbayern nahe der österreichischen Grenze mit den Kurorten Bad Griesbach, Bad Füssing und Bad Birnbach die größte Thermalregion.

Seit wann gibt es Thermalbäder?

Die Geschichte der Thermalbäder bzw. der therapeutischen Nutzung von Thermalwasser ist lang. Bereits vor 10.000 Jahren nutzten die Indianer die in Nordamerika vorhandenen heißen Quellen als Heilstätten.

Die erste Thermen-Kultur etablierte sich im Römischen Reich. Aus dieser Zeit stammt auch das Wort "Therme", das sich vom griechischen "thermon loutron" ableitet und übersetzt in etwa "warmes Bad" bedeutet.

Die älteste bekannte Therme wurde 400 vor Christus in Pompeji gebaut. In Rom wurde vermutlich im 2. Jahrhundert vor Christus mit dem Bau von öffentlichen Bädern begonnen. Um 400 nach Christus wurde bei einer Zählung allein in Rom elf öffentliche Bäder und 856 Privatbäder festgestellt.

Die Thermen dienten in der römischen Kultur in erster Linie nicht der Körperhygiene oder einem therapeutischen Zweck, sondern sie waren vor allem für das soziale Leben von Bedeutung. Hier traf man sich zu Gesprächen und als Freizeitvergnügen.

Die öffentlichen Thermen im alten Rom boten bereits viele zusätzliche Dienstleistungen wie Massagen, Gymnastik oder Schönheitsbehandlungen an. Außerdem verfügten vor allem die prächtigen öffentlichen Badehäuser auch über Schwimmbäder, Sportanlagen und sogar über Bibliotheken.

Die berühmteste Therme der Antike war die Caracalla-Therme in Rom. Die Anlage war etwa 330 mal 330 Meter groß und gehörte damit zu den größten Thermenanlagen der Stadt. Beeindruckend war besonders ihre Ausstattung mit prächtigen Marmorplatten, Statuen und Mosaiken.

Die Kaisertherme in Trier
Die Kaisertherme in Trier, © Rike / pixelio.de

Der Ablauf und die Temperatur in den römischen Badeanlagen entsprachen vermutlich der heutzutage im türkischen Hamam üblichen Praxis.

Auch auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands errichteten die Römer Thermalbäder. In Trier kann man noch heute Überreste der Kaisertherme besichtigen, die rund 300 nach Christus erbaut wurde. Die eindrucksvolle Ruine der großflächigen Badeanlage gehört zum UNESCO-Welterbe. Da die Innenausstattung und die technische Ausrüstung wohl nie vollendet wurde, konnte der Betrieb in der Kaisertherme jedoch vermutlich nicht aufgenommen wurden.

Wie viele Thermalquellen und -bäder gibt es in Deutschland?

Laut dem Deutschen Heilbäderverband gibt es in Deutschland 131 Mineral- und Thermalquellen und mehr als 350 Heilbäder und Kurorte.

Die Johannesbad Therme in Bad Füssing
Die Johannesbad Therme in Bad Füssing,
© Günter Standl / Johannesbad Therme

Welches ist die größte Therme in Deutschland?

Die Johannesbad Therme in Bad Füssing (Niederbayern) ist mit einer Wasserfläche von 4.500 m² Thermalwasser, die größte Therme in Deutschland. Die Therme verfügt über 13 Becken mit verschiedenen Wassertemperaturen und unter anderem über ein Gegenstrombad, ein Kneippbecken, ein Hyperthermalbad und ein Inhalationsdampfbad.

Was sollte man beim Besuch einer Therme beachten?

Für einen Besuch in der Therme wählt man am besten eine besucherarme Zeit aus. So sollte man möglichst nicht am Wochenende, während der Schulferien oder am frühen Abend eine Therme besuchen.

In die Badetasche packen sollte man mehrere Handtücher, außerdem Duschzeug, Badebekleidung und einen Bademantel.

In den meisten Thermen erhält man an der Kasse ein Armband mit einem Chip, mit dessen Hilfe man Leistungen innerhalb der Therme wie Essen und Trinken oder den Besuch im Saunabereich bezahlen kann. Die in Anspruch genommenen Leistungen werden gespeichert und beim Verlassen der Therme abgerechnet. So muss man kein Bargeld mit in den Thermenbereich nehmen.

Was kostet der Eintritt in eine Therme?

Die Eintrittspreise der Thermen unterscheiden sich je nach Größe und Ausstattung des jeweiligen Bades. Die Eintrittspreise für zwei Stunden liegen in der Regel zwischen zehn und 15 Euro, für vier Stunden Aufenthalt bezahlt man zwischen 14 und 20 Euro. Eine Tageskarte liegt meist bei 20 bis 27 Euro. Bei den meisten Thermen ist der Besuch der Saunalandschaft nicht im Eintritt der Badeanlage integriert und muss zusätzlich bezahlt werden. Der Aufschlag für die Sauna beträgt zwischen fünf und 10 Euro.

Was bieten Thermalbäder außerdem noch?

Die modernen Thermalbäder bieten neben den Anwendungen mit Thermalwasser noch viele weitere Attraktionen, so dass sich oft ein Tagesaufenthalt lohnt.

Ein Saunabereich findet man in fast allen Thermen. Hier gibt es teilweise bis zu zehn verschiedene Saunen und Dampfbäder zur Auswahl, die sich in der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit unterscheiden. Der Saunabereich ist meist erst ab 16 Jahren zugänglich und muss in der Regel extra bezahlt werden.

Eine Rutsche im Rutschenbereich Galaxy der Therme Erding
  Im Rutschenbereich Galaxy der Therme Erding,
© Therme Erding

Die Ausstattung im Schwimmbereich unterscheidet sich von Therme zu Therme. Meist findet man jedoch ein großes Sportbecken, ein Wellenbecken, einen Sprungturm und ein Gegenstrombad. Manche Thermen verfügen zudem über einen großen Spaßbereich mit Rutschen und anderen Attraktionen. So findet man die größte Rutschenwelt Europas in der Therme Erding bei München.

An viele Thermen ist ein Day Spa angeschlossen, wo Besucher sich einem Massage- oder Beautyprogramm hingeben können. Neben Massagen werden hier kosmetische Anwendungen, Pflegepackungen, ayurvedische Behandlungen und spezielle pflegende Bäder angeboten. Die Behandlungen im Day Spa müssen extra bezahlt werden, am besten reserviert man sich seinen Termin im Day Spa rechtzeitig vor dem Besuch.

In allen Thermen finden sich ein oder mehrere Restaurants, die für das leibliche Wohl der Besucher sorgen. Dem Wellness-Aspekt entsprechend gibt es in den Restaurants auch leichte und gesunde Gerichte.

In einigen Thermen gibt es außerdem ein Fitnessstudio, das man gegen einen Aufpreis nutzen kann. Zudem werden im Schwimmbereich Kurse in Aqua Fitness angeboten.

Aufgrund der unterschiedlichen Ausstattungen der verschiedenen Thermen informiert man sich am besten im Vorfeld eines Besuchs über das Angebot des ausgewählten Thermalbads. So kann man auch besser einschätzen, wie viel Zeit man für einen Besuch einplanen sollte.